2. Juni 2026

Gewonnen: Bundesweiter KI-Wettbewerb

Künstliche Intelligenz verändert die Art, wie Menschen lernen und arbeiten. Um Schülerinnen und Schüler auf diese Entwicklung vorzubereiten, haben die Europäische Kommission und die OECD gemeinsam das neue AI-Literacy-Framework entwickelt, das Mitte 2026 veröffentlicht werden soll. Das Rahmenwerk beschreibt erstmals, welche Kompetenzen junge Menschen benötigen, um Künstliche Intelligenz kritisch und zugleich kreativ nutzen zu können. Darüber hinaus soll es zur Entwicklung des Bereichs Media & Artificial Intelligence Literacy der PISA-Studie 2029 beitragen.

Vor diesem Hintergrund haben der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und die TÜV SÜD Stiftung den bundesweiten Ideenwettbewerb AI Literacy in der Schule ausgeschrieben. Gesucht wurden innovative Konzepte, die die Ziele des neuen Frameworks in konkrete Unterrichtspraxis übersetzen.

Zu den Gewinnern gehören unsere Berufsfachschule für E-Business Management und die Queen Mary University of London. Gemeinsam haben die Partner einen Projektentwurf entwickelt, der nun mit 10.000 Euro gefördert wird.

Die Konzepte sollen exemplarisch zeigen, wie die Vorgaben des AI-Literacy-Frameworks im Unterricht umgesetzt werden können. Sie sollen damit anderen Schulen und Lehrkräften als Orientierung und Hilfestellung für die praktische Umsetzung dienen.

Viele Bildungsangebote vermitteln KI bislang vor allem als Werkzeug, etwa zur Erstellung von Texten, Bildern oder automatisierten Assistenzsystemen. Jugendliche nutzen KI jedoch zunehmend als Gesprächspartner, Lernhilfe oder Orientierungssystem. Dadurch entstehen neue pädagogische Herausforderungen.

"Jugendliche, die sich regelmäßig auf KI verlassen, verlieren mitunter das Vertrauen in ihre eigenen Gedanken. Ihre Überlegungen können an Tiefe verlieren. Gleichzeitig übernehmen sie fehlerhafte Aussagen oder Denkweisen der KI", erklärt Frank Blumenschein, stellvertretender Schulleiter der Schule und Initiator des Projekts. "Deshalb müssen junge Menschen lernen, KI kritisch zu hinterfragen. Dies können sie aber nur, wenn sie besser verstehen, wie KI überhaupt funktioniert."

Das Konzept folgt daher der Linie: Verstehen – Reflektieren – Gestalten.

Im Bereich "Verstehen" setzen sich die Schülerinnen und Schüler zunächst mit den Grundlagen von Künstlicher Intelligenz auseinander. Sie lernen, wie KI-Systeme aufgebaut sind und funktionieren.

Im Bereich "Reflektieren" lernen die Schülerinnen und Schüler, dass KI-Systeme fehlerhafte oder einseitige Antworten liefern können. Sie sollen verstehen, dass KI trotz ihrer menschlich wirkenden Sprache keine Emotionen besitzt und ethischen Regeln nur aufgrund menschlicher Vorgaben folgt. Ebenso wichtig ist die Erkenntnis, dass KI ihr Denken und Entscheiden beeinflussen kann. Die Tiefe ihres Nachdenkens kann abnehmen, weil es oft bequemer ist, direkt die KI zu fragen. Ziel des Projekts ist daher die Entwicklung einer reflektierten Urteilskompetenz: Wann unterstützt KI sinnvoll – und wann kann sie schaden?

Im Bereich "Gestalten" entwickeln die Teilnehmenden eigene KI-Assistenten, analysieren deren Verhalten und untersuchen so praxisnah die Möglichkeiten und Grenzen von KI-Systemen.

Das Konzept basiert auf vielfältigen Erfahrungen aus der schuleigenen KAI-Lernwerkstatt, einem digitalen Bildungskonzept der Schule.

Das Projekt wird gemeinsam von unserer Berufsfachschule und dem Lehrstuhl für Physik und KI von Prof. Ulla Blumenschein an der Queen Mary University of London umgesetzt. Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler der Schule wirken dabei ebenso mit wie Mitarbeitende und Studierende der Queen Mary University. Ziel ist die Entwicklung praxisnaher und handlungsorientierter Unterrichtsszenarien, die Lehrkräfte direkt im Unterricht einsetzen können.

Die Berufsfachschule für E-Business Management und die Queen Mary University arbeiten dabei gemeinsam in einem Verbund mit weiteren geförderten Projekten zusammen. Dazu gehören die RWTH Aachen mit dem Projekt "KI-Bildgenerierung und Deepfakes", die Universität zu Köln mit dem Projekt "Differenzieren mit KI" sowie die Universität Leipzig mit dem Projekt "Mit KI qualitätsvollen Unterricht in der Grundschule vorbereiten und gestalten". Gemeinsam sollen unterschiedliche Aspekte des neuen AI-Literacy-Frameworks für die schulische Praxis erschlossen und erprobt werden.

Die entwickelten Materialien sollen über den KI-Campus veröffentlicht werden. Der KI-Campus ist die Lernplattform des Stifterverbandes rund um Künstliche Intelligenz. Als gemeinwohlorientierte Initiative stärkt er mit kostenlosen Onlinekursen, Videos, Podcasts und digitalen Lernangeboten die KI-Kompetenzen in der Gesellschaft. Die Materialien werden unter der offenen Lizenz CC BY-SA 4.0 bereitgestellt und können dadurch von Schulen, Hochschulen, Unternehmen und anderen Bildungseinrichtungen kostenlos genutzt, angepasst und weiterentwickelt werden.

Die Berufsfachschule für E-Business Management und die Queen Mary University of London freuen sich auf die weitere Zusammenarbeit mit allen Beteiligten sowie auf die Umsetzung des Projekts.