Henning Gralla: bergwelten – scheinwelten

Vernissage und Ausstellung

Wir präsentieren zum 12. Mal eine Kunstausstellung in unserer Aula in Traunstein, um die Schüler mit zeitgenössischer Kunst in Berührung zu bringen.

Zur Ausstellungseröffnung mit anschließendem Buffet unserer Berufsfachschule für Hotel- und Tourismusmanagement am Donnerstag, dem 24.10.2019, um 18:00 Uhr in unserer Schule sind Sie herzlichst eingeladen.

Eintritt frei.

Öffnungszeiten für Besucher:

Freitag, 25.10.2018, 14:00 – 18:00 Uhr
Samstag, 26.10.2018, 10:00 – 18:00 Uhr
Sonntag, 27.10.2018, 14:00 – 18:00 Uhr

Freitag, 01.11.2018, 14:00 – 18:00 Uhr
Samstag, 02.11.2018, 10:00 – 18:00 Uhr
Sonntag, 03.11.2018, 14:00 – 18:00 Uhr

Henning Gralla: bergwelten – scheinwelten

Acrylbilder auf Leinwand – Federzeichnungen – Objekte

Sich auftürmende Felsmassen, schneebedeckte Gipfel, bizarre Bäume, die sich an Steine klammern, wilde Bergbäche, sanfte Almwiesen, Berghütten mit Geranien in den Fenstern, fröhliche Lieder auf der Ziach, zarte Klänge einer Zither, Gesang … Nichts von dem bieten Henning Grallas „Bergwelten“. Allenfalls die Andeutung der Wildheit einer Bergkette. Die Berge seiner Bilder haben sich ein gutes Stück von der Realität, wie sie die Betrachterin wahrnimmt oder wahrnehmen möchte, entfernt.

Was mit der Wahrnehmung des Berggängers übereinstimmt sind die stilisierten Gipfel. Hier schlägt Henning Gralla bewusst eine Brücke von seiner Malwelt in unsere Bergwelt und übernimmt bestimmte markante Formen wie die des Hochgern, der Kampenwand, der Hochries, des Kranzhorn oder des Wendelstein. Ein Teil der Wirkung seiner Bilder lebt vom Wiedererkennen. Damit „ködert“ er, will er zum Hinschauen locken. Und was sieht der Betrachter dann? Vor allem kräftige Farben: beispielsweise den Hochgern auf dem Bild „chiemseeblick“ in Gelb-Orange. Farben, die mit unserer Erlebenswelt nichts mehr zu tun haben. Aber sie erzeugen Gefühle. Vielen ist nicht bewusst, was Farben, genauer: ihre Schwingungen oder Frequenzen auslösen können. Am ehesten können wir das „Aggressive“ der Farbe Rot nachvollziehen oder das Beruhigende vom Blau. Aber die meisten Farben erreichen den Menschen in einer spezifischen Weise auf der geistigen und körperlichen Ebene. Es lohnt, sich beim Betrachten der Bilder gedanklich einen Ausschnitt zu wählen und zu versuchen, mit geschlossenen Augen der Wirkung dieser Farben nachzuspüren. Der Moment eines Körpergefühls kann sehr kurz sein, wie ein kleiner Blitz. Aber er ist da. Vielleicht weckt das Bild auch eine Erinnerung, das Wiedererleben eines Gefühls, eines Gefühls, dass möglicherweise gar nicht direkt mit dem Bergerleben verknüpft ist.

Also haben Henning Grallas Bergwelten allenfalls die Gipfelformationen mit der Realität gemein. Der Rest ist Fantasie, Dichtung, Interpretation. Und bewusste Irreführung, wenn der Maler mit den Betrachterebenen spielt: Spiegelungen nur zur Hälfte, Hintergründe im Vordergrund, perspektivische Verzerrungen vor realistisch dargestellter Kulisse. Die Betrachterin wird also bei genauerem Hinschauen enttäuscht: alles Illusion, alles erfunden, alles Schein. Zum Teil beginnen sich die Berge selbst in den Bildern aufzulösen, sie werden unscharf, verschwinden hinter Wolken, wie beim „v2 – kochelseeblick“. Ist es der tropfnasse Nebel, der uns die Sicht nimmt oder ist es der Nebel unserer Wahrnehmung, der uns Schein für Sein vorgaukelt?

Wenn Henning Gralla in seinem Ausstellungstitel mit solchen Antipoden wie „Berg – Schein“ und den Assoziationen „Fels – Nichtexistenz“ spielt, dann löst das beim Betrachter eine Dissonanz aus. Wir gehen so selbstverständlich davon aus, dass ein Stein, der uns auf den Fuß fällt, wehtut. Schliesslich ist es feste, massive Materie und damit Realität. Das ist unsere Erfahrung. Oder ist es nur unsere Programmierung? Unsere Jahrhunderte alte Konditionierung? Die Physik möchte uns eines Besseren belehren indem sie uns aufzeigt, dass Materie nicht existiert. Sie hangelt sich von einem „Kern“ zum nächst kleineren und zeigt schließlich, dass alle vermeintliche Materie Schwingung ist. Und Schwingung ist mit dem Auge nicht wahrnehmbar. Lohnt es sich da überhaupt noch, unsere Wanderschuhe zu schnüren, den Rucksack zu schultern und sich aufzumachen in die bergigen Scheinwelten?